Der neue Europa-/USA-Konflikt – eine Debatte beim World Economic Forum 2018 in Davos

Davos, 24. Januar 2018 –  Auf einer Veranstaltung der University of Chicago während dem World Economic Forum in Davos diskutierten der ehemalige Chef der indischen Zentralbank Raghuram G. Rajan, der CEO von Microsoft Satya Nadella, die frühere US-Wirtschaftsministerin Penny Pritzker und Co-Founder der Carlyle Group David M. Rubenstein über „Künstliche Intelligenz und die Zukunft der Gesellschaft“.

In der spannenden Podiumsdiskussion ging es – neben den Vor- und Nachteilen der künstlichen Intelligenz – auch um die Bedeutung von Datenschutz für die Zukunft unserer Gesellschaft. Satya Nadella von Microsoft befürwortet einen weltweit einheitlichen, rechtlichen Rahmen für Datenschutz und sprach sich überraschend für eine Erweiterung der Genfer Konvention um Datenschutzrechte aus. Er sprach offen über die Problematik der Supreme Court Klage gegen Microsoft, die Ende Juni entschieden werden soll. Darin fordert das US-Justizministerium die Herausgabe von Daten von Bürgern und Unternehmen an US-Ermittler – egal in welchem Land diese Daten gespeichert sind, egal, welche Gesetze dort herrschen. Es genügt, wenn das Unternehmen, das die Daten verwaltet, in den USA tätig ist. Das wäre ein Affront, einige sprechen von einer Kriegserklärung an Europa auf dem Gebiet des Datenschutzes. Europa hat eine bürgerfreundliche Datenschutzverordnung (EU-DSGVO/GDPR) verabschiedet, die ab 25. Mai 2018 in Kraft tritt. Vermutlich würde der amerikanische Weg des „Big Brother is watching you everywhere“ das Ende der Nutzung von amerikanischen Cloud-Diensten für Europäische Unternehmen bedeuten, da diese dann in Konflikt zu europäischem Recht stünden; ein harter Schlag gegen Microsoft Produkte wie Office 365, OneDrive und Azure.

US-Wirtschaftsministerin a.D. Penny Pritzker schilderte ein weiteres Beispiel der „Big Brother“-Gläubigkeit, bei der sie sechs Monate persönlich gegen gesetzliche Backdoors in Kryptographie ankämpfte. „Das war totaler Unsinn, eine absolut schlechte Idee, man könnte sogar sagen eine der Allerschlechtesten. Es hat uns viel Überzeugungsarbeit in der Regierung gekostet, dass Backdoors keinen Sinn machen und lediglich die nationale und internationale Sicherheit verschlechtern statt sie zu verbessern.“

Laut Pritzker hat Europa einen eigenen Weg eingeschlagen, den man respektieren müsse. In den USA sei man nicht so weit. Bob Zimmer (Dekan der University of Chicago) ergänzte zum Abschluss der Veranstaltung am World Economic Forum: „Es ist heutzutage sogar schwierig, „Free Speech“ an einer Universität zu gewährleisten. Die University of Chicago steht für „Free Speech“, aber die Zeiten wandeln sich.“ Als Ergebnis von freiem Gedankenaustausch wurde angeführt, dass Chicago Booth, als weltweit einzige Business School, drei lehrende Nobelpreisträger hat.

DRACOON Geschäftsführer Alexander Zeyss nahm als Alumnus von Chicago Booth an dem Gedankenaustausch am World Economic Forum teil: „Sichere Software, die geistiges Eigentum gegen Kriminelle, Spione und Regierungen schützt, ist die Zukunft einer freiheitlichen Gesellschaft. Andersdenkende sind deren Feinde. DRACOON wird niemals Backdoors akzeptieren. Wir würden uns niemals beugen und führen als eines der stärkst wachsenden SaaS-Unternehmen Deutschlands gerne den Kampf für Datenschutz an.“

Der neue Europa-/USA-Konflikt - eine Debatte beim World Economic Forum 2018 in Davos

von links: Professor Raghuram G. Rajan (Moderator Distinguished Service Professor of Finance, Chicago Booth), The Honorable Penny Pritzker (38th US Secretary of Commerce), Satya Nadella (MBA’97, Chief Executive Officer, Microsoft Corporation) und David M. Rubenstein (JD’73. Trustee, The University of Chicago, Co-Founder and Co-Executive Chairman, The Carlyle Group)